FOTOAUSSTELLUNG - Tafel 5

1942 HEIRATET LUISE MÜLHENS HAUPTMANN GUSTAV STREVE (1893–1962) AUF SCHLOSS RÖTTGEN


1943 kommt der gemeinsame Sohn Dieter Jochen Helmut in Salzburg, Österreich zur Welt. 1944 wird Gustav zum Oberst befördert. In dieser Zeit wurde er zum Kommandanten des Führerhauptquartiers „Wolfsschanze“ in Ostpreußen ernannt und ist beim misslungenen Attentat auf Hitler am 20.06.1944 vor Ort. Die exponierte Position ihres Mannes während der NS-Zeit wird nach Kriegsende von Seiten der Firmenleitung „4711“ und ihrer Kölner Familie gegen Luise verwendet. Die junge Familie zieht 1946 auf den Wintermühlenhof nach Königswinter. Dort widmet sie sich dem Wiederaufbau des Gutes und der Interessen der Familie im Siebengebirge, die im Gegensatz zu den Anteilen an der Firma „4711“, nach dem Willen von Peter Paul Mülhens zu jeweils 1/3 an seine Töchter Maria, Luise und seinen Enkel Ferdinand aufgeteilt worden sind.

LUISE STREVE, EHRENBÜRGERIN DER STADT KÖNIGSWINTER 1969


Das Echo des Siebengebirges berichtet am 26.11.1965:
Am Buß- und Bettag wurde in Königswinter ein neuer Friedhof und eine neue Friedhofskapelle durch Pfarrer Simons (kath. Gemeinde) und Pfarrer Unkrieg (evgl. Gemeinde) eingeweiht. Bürgermeister Dr. Faßbender dankte in einer Ansprache Frau Streve und Direktor Wetzels vom Wintermühlenhof, die das Gelände für den neuen Friedhof bereits 1946 der Stadt geschenkt hatte. Der neue Friedhof ist 16.000 Quadratmeter groß.“

In dem Text des Ehrenbürgerbriefes heißt es:
Frau Luise Streve, geb. Mülhens, wird aufgrund des einstimmigen Beschlusses des Rates der Stadt Königswinter vom 13. Juni 1969 in Anerkennung ihrer großen Verdienste um das Wohl der Stadt Königswinter, insbesondere in Dankbarkeit für ihre zahlreichen hochherzigen Stiftungen in Form der unentgeltlichen Überlassung von Grundstücken zur Verwirklichung von großen Bauvorhaben der Stadt, das Ehrenbürgerrecht der Stadt Königswinter verliehen.

Königswinter, den 24. Juni 1969
gez. Dr. Faßbender, Bürgermeister
Paul Lemmerz, Ratsherr

Breuer, Stadtdirektor

Luise Streve dankt mit den Worten:
"Durch meine heutige Ernennung zur Ehrenbürgerin zeichnen Sie mich in einer für mich völlig unerwarteten Weise aus. Es berührt mich tief und macht mich stolz und ich nehme diese Ehrung auch für meine Familie als Zeichen der Verbundenheit entgegen. Möge diese Verbundenheit auch in der Zukunft erhalten bleiben, wenn mein Sohn die Nachfolge auf dem Wintermühlenhof antritt schon -weil Königswinter seine Heimatstadt ist. Es ist mir daher ein Herzensbedürfnis, Ihnen meinen aufrichtigsten Dank zu sagen. Gleichzeitig danke ich aber auch für die Ehre, dass das neue „Peter-Mülhens-Gymnasium“ mit dem Andenken meines Vaters eng verknüpft ist. Das ist mir eine ganz besondere Freude.“
(Anm.: In einer späteren Entscheidung tritt die Stadt von der Absicht der Namensgebung des neuen Gymnasiums zu Ehren von Peter Mülhens zurück.)

DIE SCHWESTERN LUISE STREVE UND MARIA MEHL-MÜLHENS 1982 IM HAUS VON LUISE IN KÖNIGSWINTER, ITTENBACH


1985 stirbt Maria Mehl-Mülhens. Ihre Anteile an der Firma vererbt sie zu 2/3 ihrem Neffen Ferdinand und zu 1/3 ihrem Neffen Dieter. Ihre Anteile an der Gesellschaft Bergbahnen im Siebengebirge AG vermacht sie ihrem Neffen Dieter J.H..

Testamentarisch hinterlässt sie das Gestüt Röttgen einer Stiftung. Nur zwei Monate vor ihrem Tod wird ihr Testament dahingehend verändert, als dass die ursprünglich von ihr eingesetzten Vorstandsmitglieder, drei Familienmitglieder, durch die Herren Dr. Günter Paul (er fungierte als ihr Anwalt, Testamentsverfasser, Notar und Testamentsvollstrecker!) und zwei Schweizer Bänker namens Josef Koller und Dr. Theodor Hug zum Stiftungsvorstand ersetzt werden. Maria Mehl-Mülhens war seit 1983 bettlägerig und weitestgehend isoliert. Dr. Günter Paul ist auch heute noch Vorstand der Stiftung und verweigert der Familie beider Stämme jeglichen Zugang zum Schloss trotz der im § 8 der Stiftungssatzung enthaltenen Auflage:
”Zur Erfüllung ihres Zwecks ist die Stiftung berechtigt und verpflichtet, das gesamte Gebiet von Schloss Röttgen zu bestimmten regelmäßigen Öffnungszeiten, die der Vorstand mit Rücksicht auf die sachlichen Notwendigkeiten und Bedürfnisse festlegt, der Allgemeinheit zugänglich zu machen, soweit dadurch nicht die von der Stiftung geförderten Forschungsaufgaben gefährdet oder behindert werden. Die Burg herum ist hingegen im jetzigen Zustand zu erhalten und für besonders herausragende repräsentative Zwecke der Regierung der Bundesrepublik Deutschland sowie der Firma „4711“ und für die Benutzung durch meine Familie sowie die Familie meines verstorbenen Mannes, Rudi Mehl, zur Verfügung zu halten. Die Burg und die abgegrenzten Anlagen um die Burg können, soweit dies mit dem repräsentativen Verwendungszweck vereinbar ist, auch der Allgemeinheit zu Besichtigungen und als Museum zugänglich gemacht werden. Über den Umfang der Benutzung bestimmt im Einzelnen der Stiftungsvorstand unter Berücksichtigung meines mutmaßlichen Willens. (…)“

Luise Streve stirbt 1990 nach kurzer, schwerer Krankheit in ihrem Haus in Königs winter, Ittenbach. Bereits 1970 hat sie den Wintermühlenhof an ihren Sohn Dieter J.H. und seine Familie übergeben. Luise hat den Wintermühlenhof bis an ihr Lebensende täglich besucht und sich um seine Pflege und den Erhalt gekümmert.

Der Wintermühlenhof im Jahr 2020


Von 2006-2008 baut Dieter Gustav Alfonso, Sohn von Dieter J. H., ein Großteil der weitläufigen ehemaligen Wirtschaftsgebäude des Wintermühlenhofs in hochwertigen Wohn- und Gewerberaum um und vermietet diesen. 2008 wird die „Gut Wintermühlenhof GbR“ gegründet, die seitdem die Immobilie und den Besitz verwaltet. Dieter Gustav Alfonso Streve-Mülhens lebt inzwischen mit seiner jungen Familie in Köln. Seine Anteile an der „Bergbahnen im Siebengebirge AG“, die er von seiner Großmutter geerbt hatte, hat er an seinen Vater Dieter Jochen Helmut verkauft. Die Gesellschaft wird heute von ihm und seiner Tochter Fiona, sie kauft die Anteile ihres Onkels Ferdinand (III), gehalten und es scheint, als sei die Liebe zum Wintermühlenhof, zur Drachenfelsbahn und zum Siebengebirge bereits an die nächste Generation der Familie Mülhens weitergegeben worden.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.wintermuehlenhof.de/

DAS HOTEL PETERSBERG


”Mit dem Petersbergkauf habe ich geplant, dem Siebengebirge einen Wert zuzuführen, dessen Bedeutung nicht allein auf das Gebirge und das Städtchen Königswinter einwirken soll, sondern welches nach außen hin das reisende Publikum wieder auf unsere herrliche und leider in seiner Wertschätzung und Volkstümlichkeit zurückgebliebene Gegend aufmerksam machen sollte.“
Ferdinand Mülhens

 

Nachdem Ferdinand Mülhens (I) ab 1896 begonnen hatte den Petersberg in Teilstücken zu erwerben, kaufte er schließlich im Jahr 1911 aus der Insolvenz der Familie Nelles das Plateau mit existierendem Gebäude und Inventar. Zwischen 1912 und 1914 entstand hier das „Luxushotel“ Petersberg. Erstmals rückte das Hotel bereits 1938 ins Zentrum welthistorischer Aufmerksamkeit. Der britische Premierminister Neville Chamberlain residierte auf dem Petersberg und traf Hitler im Hotel Dreesen in Bad Godesberg.

Doch besonders in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg wird im Hotel auf dem Petersberg politische Weltgeschichte geschrieben. Am 22.11.1949 unterschreiben der 1. Deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer und die Alliierten Hohen Kommissare das so genannte „Petersberger Abkommen“. Es gilt als erster Schritt der Bundesrepublik Deutschland zu einem eigenständigen Staat.

In den darauffolgenden Jahrzehnten residierten eine Vielzahl von politischen Repräsentanten und Staatsoberhäuptern auf dem Petersberg, so 1955 auch Ihre Majestäten Schah M.R. Pahlevi von Persien und Kaiserin Soraya.

Obwohl sich die Familie stets im Hintergrund hält gibt es Berührungen mit einigen Staatsgästen. Hier überreicht Dieter J.H. Streve (heute Streve-Mülhens) 1955 bei ihrem Staatsbesuch Kaiserin Soraya einen Blumenstrauß. Er ist elf Jahre alt und berichtet später in einem Brief an seine Mutter Luise:

Erst 1979 verkauft die Familie Mülhens, Inhaber des Hotels sind zu diesem Zeitpunkt Maria Mehl-Mülhens, Luise Streve und Ferdinand Mülhens (III), unter starkem Druck ausgehend von Rudi Mehl-Mülhens (Ehemann von Maria Mehl-Mülhens) das Hotel Petersberg mit Umland an die Bundesrepublik Deutschland. Luise Streve hat sich über Jahre gegen den Verkauf des Hotels ihrer Familie gewehrt. In einem Brief an ihren Schwager Rudi aus dem Jahr 1963 schreibt sie:

”Du musst wissen, die Werte unserer Familie, die wir durch den Vater ererbten, sind vorwiegend traditionsgebunden. Dieses Vermögen schufen unsere Vorfahren mit großer Weitsicht und viel Liebe. Gerade das Hotel Petersberg gehörte zu einem Glanzpunkt des Familienbesitzes, an dem sowohl mein Vater als auch meine Mutter in besonderer Liebe hingen. Sie haben laufend das Hotel weiter gestaltend verschönert und verbessert. Dies Hotel ist seit seinem Bestehen aufs Engste mit dem Namen Mülhens verknüpft und sollte es auch in Zukunft bleiben. So hat es der Vater bestimmt gewollt und von uns erwartet. Unsere Vorfahren haben keineswegs den kommerziellen Ertrag dabei in den Vordergrund gestellt, sondern es waren in erster Linie ideelle Gesichtspunkte, die sie mit diesem schönsten Punkt des Siebengebirges verbanden.“


1989 wird hier, nach Abriss des denkmalgeschützten Hotelgebäudes, ein faktischer Neubau als offizielles Gästehaus der Bundesregierung mit Hotelbetrieb eröffnet.

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Text von F. Streve-Mülhens Achenbach.

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